Elfe
aus Wildcat Wiki, der freien Wissensdatenbank
Wer hat sich denn noch nicht irgendwann einmal vorgestellt wie es wäre, käme eine Elfe bzw. gute Fee und spräche mit sanfter Stimme: »Du hast drei Wünsche frei?«
Die Elfenmädchen tanzten schon auf dem Elfenhügel, sie schwebten auf und nieder mit ihren langen Schals, die aus Nebel und Mondschein gewoben waren, und sahen gar lieblich aus für jemand, der an dergleichen Gefallen findet.« So beschreibt der Märchenerzähler Hans Christian Andersen die Elfen in seinem Märchen »Elfenhügel«. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich diese, auch heute noch gültige Bildvorstellung von Elfen. Es sind kleine, liebreizende und meist weibliche Geschöpfe, die über Zauberkraft verfügen. Für die Einbürgerung des Wortes »Elfen« ist eine deutsche Übersetzung (1764) der Komödie »Ein Sommernachtstraum« von William Shakespeare verantwortlich, die 1595 aus seiner Feder floß. Die Übersetzungen der Komödien von Shakespeare oder auch John Milton (Paradise Lost) sorgten zwar für die literarische Verbreitung dieser Geschöpfe, aber ihre Erfinder sind sie nicht. Ihren eigentlichen Ursprung haben die Elfen im nordischen Volksglauben. In der Edda - die sogenannte heilige Schrift des heidnischen Europas ist in einer Handschrift aus dem 13. Jahrhundert erhalten - werden gar drei Bild- und Wesensvorstellungen unterschieden: Lichtelfen, Dunkelelfen und Schwarzelfen. Die ersteren sind die Bewohner der reinen Lichtregion, die zweiten irdischer Bergklüfte und Höhlen und stehen in enger Verwandtschaft zu den Zwergen bzw. Trollen. Die Schwarzelfen schließlich bewohnen die Unterwelt. Diese Unterscheidung verlor sich allerdings recht schnell, so daß eine dualistische Vorstellung - der Glaube an Licht- und Dunkelelfen - übrig blieb: »Die Lichtelfen sind heitere, fröhliche Geschöpfe, bald sichtbar, bald unsichtbar; sie machen sich gern mit den Menschen und Göttern zu schaffen, erfreuen durch ihre schöne Gestalt und Gutmütigkeit, während die Dunkelelfen das Licht fliehen, nur während der Nacht aus ihren finsteren Wohnungen hervorkommen, und, falls sie die Sonne noch auf der Erde überrascht, versteinert werden durch den Strahl, der sie trifft.« (Mythen-Lexikon)
Bemerkenswerterweise finden sich die Lichtelfen als Tattoo-Motiv viel häufiger als die Dunkelelfen: die meist anmutigen, weiblichen Flügelwesen sind mal zart wie ein Schmetterling und mal aufreizend wie ein Playboyhäschen; und immer dominiert das Unschuldige, Geheimnisvolle, Zauberhafte. In der Edda gibt es sogar Verhaltensmaßregeln für den Fall, daß eine Elfe sich mit einem Menschen liebend verbindet: »… folgen solchem Umgang Kinder, so müssen diese ganz im heiligen Taufwasser gebadet werden, … ,weil sie sonst keine unsterbliche Seele bekommen.« Dieses Zitat verdeutlicht überraschenderweise den starken Einfluß des Christentums auf sogenannte heidnische Schriften: Da wird der Erbsündenglaube vehement mit dem Glauben an kleine Zauberwesen vermischt. Worin aber besteht der Unterschied zwischen einer Elfe und einer Fee? Der eigentliche Unterschied zwischen Elfe und Fee liegt darin, daß eine Fee genauso groß wie ein Mensch ist, als sterblich gilt und außerdem für den Menschen sichtbar ist, wohingegen eine Elfe nur von jemandem, der ebenfalls über Zauberkraft verfügt, gesehen werden kann. Man darf aber resümieren, daß sich das äußerliche Erscheinungsbild und die Grundwesensart größtenteils entsprechen: Wie die guten Elfen auch, sind die guten Feen mit allen Reizen des Körpers und des Geistes ausgestattet, sie sind schön und ewig jung, bereit dem Unterdrückten zu helfen, den Verirrten den richtigen Weg zu weisen und mittels ihres Zauberstabes kleinere Wunder zu vollbringen.
Elfen und Feen gehören sowohl in die Erwachsenenwelt als auch in die Welt der Kinder. Feen gelten als Schicksalskünderinnen, die vor allen Dingen in Verbindung mit Neugeborenen auftauchen; sie können gute Wünsche, aber auch böse Flüche mit auf den Lebensweg geben, weshalb es bei den Menschen im Mittelalter Brauch war, sie mit aufgetischten Speisen günstig zu stimmen. Selbst Jeanne d’Arc wurde in ihrem Prozeß Feenglaube vorgeworfen - ein Glaube, der vom Christentum bekämpft wurde. Die Märchenwelt des 19. Jahrhunderts greift schließlich auf diesen alten Volksglauben zurück. Dörnröschen wird von einer bösen Fee verwunschen, wohingegen Aschenputtel ohne die Hilfe einer guten Fee niemals den Prinzen abbekommen hätte. Frau Holle ist eine Art Fee (obwohl ihre Häßlichkeit fast dagegen spricht), die sowohl Gutes als auch Schlechtes bringt, ganz abhängig von der Moral und Motivation ihrer zwei Probandinnen. An Karneval dann tauchen Elfen und Feen in Anlehnung an das, was die Kinder gerade vorgelesen bekommen, in vielgestaltiger Form auf: da wird es auch nicht wundern, wenn wir dieses Jahr die bei Harry Potter beschrieben Elfen zu sehen kriegen, die allerdings so gar nicht dem klassischen Elfenschönheitsideal entsprechen. Im Gegensatz zu Glöckchen beispielsweise, der süßen, winzigen Luftelfe, die Peter Pan das Fliegen und Kindbleiben lehrt, sind die Elfen von J.K. Rowling großaugige, langohrige, kleiderlose, versklavte Hausdiener, ohne irgendwelche Privilegien, deren Zauberkraft außerdem völlig unbedeutend ist. Wer weiß, vielleicht finden wir ja auf der einen oder anderen anstehenden Convention Harrys anhängliche Elfe namens Winky auf dem einen oder anderer Körperteil wieder?
Quelle: www.taetowiermagazin.de
